Was ändert sich für KMU 2016?

Das neue Jahr bringt einige Änderungen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit sich, die vor allem auf die Reduzierung des Verwaltungsaufwands abzielen. So profitieren KMU von dem am 01.01.2016 in Kraft getretenen „Bürokratieentlastungsgesetz“, welches bereits im vergangenen Juli beschlossen wurde und Auswirkungen auf Melde- und Aufbewahrungspflichten sowie die Buchführung hat. Durch die Anhebung von Grenzbeträgen wird eine größere Anzahl kleiner Unternehmen von bestimmten Buchführungspflichten befreit, als bisher. Außerdem zielen einige der umzusetzenden Maßnahmen darauf ab, die Potenziale der Digitalisierung stärker nutzbar zu machen. Damit sollen der deutschen Wirtschaft Einsparungen in Millionenhöhe ermöglicht werden.

Die wichtigsten Maßnahmen und Änderungen des Bürokratieentlastungsgesetzes im Überblick:

1. Einführung der „One in, one out“-Regelung

Bereits seit Juli 2015 greift die „Bürokratiebremse“, mit der die sogenannte „One in, one out“-Regelung auch in Deutschland eingeführt wurde. Sie soll verhindern, dass der Abbau vorhandener Bürokratie durch den Aufbau neuer Bürokratie konterkariert wird. Ziel dieses Ansatzes ist also, dass immer dann, wenn durch eine neue Regelung eine neue bürokratische Belastung entsteht, eine andere belastende Regelung abgebaut wird.

2. Leitfaden für den KMU-Test

Durch die Erstellung eines Leitfadens soll der bereits verpflichtende KMU-Test vereinfacht und standardisiert werden. Mit dem KMU-Test lässt sich überprüfen, wie sich neue Regelungen auf kleine und mittlere Unternehmen auswirken. In Zukunft soll der Gesetzgeber bereits bei der Planung einer neuen Regelung ermitteln können, wie viele der KMU später davon betroffen wären.

3. Onlineplattform für Unternehmen

Das Gesetz sieht vor, Unternehmen die Äußerung von Kritik an bestehenden Regelungen zu vereinfachen. Daher wird es Unternehmen ermöglicht, auf einer elektronischen Plattform zu Regelungen Stellung zu nehmen, die sie als unnötig, belastend oder ineffizient empfinden. Die Plattform kann in ausgewählten Bereichen auch als Konsulta­tionsplattform für laufende Gesetzgebungsvorhaben für Unternehmen und Verbände genutzt werden. Wann die Onlineplattform freigeschaltet wird, ist noch nicht bekannt.

4. Einrichtung eines Informationsportals für sozialversicherungsrechtliche Meldepflichten

Mit dem Aufbau eines Internetportals, über das sich Arbeitgeber zentral über sozialversicherungsrechtliche Meldepflichten informieren können, wird ein weiterer Beitrag zur Entbürokratisierung geleistet. Alle relevanten Erfordernisse und Verpflichtungen gegenüber den verschiedenen Zweigen der Sozialversicherung werden dem Arbeitgeber angezeigt; zudem erhält er Hilfestellungen bei Melde- und Antragsverfahren. Später soll dieses Informationsportal zu einem vollwertigen Antragsportal weiterentwickelt werden, welches die Möglichkeit bieten wird, Anträge auf digitalem Weg einzureichen.

5. Anhebung der Schwellenwerte für Buchführungs- und Aufzeichnungspflichten

Diese Änderungen betreffen Paragraphen des Handelsgesetzbuchs und der Abgabenordnung. In beiden Fällen werden die Grenzwerte für die Buchführungs- und Aufzeichnungspflichten von 500.000€ auf 600.000€ Jahresumsatz heraufgesetzt. Gleichzeitig steigt auch der Schwellenwert für den Jahresüberschuss von 50.000€ auf 60.000€. Auf diese Weise können erheblich mehr Unternehmen von bürokratischen Aufgaben befreit werden, als bisher.

6. Erhöhung der Lohnsteuerpauschalierungsgrenze für kurzfristig Beschäftigte

Bereits seit längerem sieht §40a des Einkommensteuergesetzes vor, dass Arbeitgeber bei kurzfristig angestellten Aushilfen eine Lohnsteuerpauschale von 25% erheben dürfen. Dies sorgt für weniger Bürokratie, da der individuelle Steuersatz des Arbeitnehmers nicht ermittelt werden muss – Wartezeiten und Informationsaustauschprozesse werden vermindert. Bisher griff diese Regelung nur bei einem Arbeitslohn von max. 62€ pro Tag. Durch die Einführung des Mindestlohns (8,50€) können viele Unternehmen diese Pauschalisierung jedoch nicht mehr nutzen, da nun ein Arbeitstag von 8 Stunden zu einem Arbeitslohn von 68€ führt. Das Bürokratieentlastungsgesetz trägt dieser Entwicklung Rechnung, indem der Grenzwert, bis zu dem die Lohnsteuerpauschale angewandt werden kann, auf eben diese 68€ angehoben wird.

7. Verminderung von Statistik- und Informationspflichten

Durch eine bessere Kommunikation zwischen den Verwaltungsdienststellen werden Statistik- und Informationspflichten reduziert. Ein zentrales Register für die Energiewirtschaft soll dazu beitragen, die Mehrfachmeldung der gleichen Daten an verschiedene staatliche Stellen zu unterbinden. Nun wurden die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen, um die Nutzung bereits vorhandener
Daten anderer Einrichtungen zu ermöglichen. So wird bspw. das Statistische Bundesamt ermächtigt, von staatlichen Stellen Auskünfte über beschreibende Verwaltungsdaten zu erhalten. Mit dem zentralen Register sollen die 500 bestehenden Meldepflichten im Energierecht über die nächsten 3 Jahre reduziert bzw. vereinfacht werden. Hinzu kommt die Anhebung der Meldeschwellen in der Intrahandelsstatistik auf 800.000€ bzw. eine Million €, wodurch einige tausend Unternehmen von dieser Meldepflicht entbunden werden.

8. Schneller und unkomplizierter Zugang zu Förderprogrammen

Unternehmen sollen durch leichter verständliche und standardisierte Antragsformulare nicht nur einen erleichterten Zugang zu Förderprogrammen erhalten, sondern auch schneller über die Genehmigung informiert werden. Dazu werden die Ablaufprozesse der Bearbeitungs- und Genehmigungsprozeduren bei den Projektträgern in Zukunft effizienter gestaltet. Durch die Anerkennung elektronischer Signaturen kann zudem auf eine Einreichung von Papierdokumenten verzichtet werden.

9. Stärkung der elektronischen Rechnung

Das bereits bestehende einheitliche Datenformat für elektronische Rechnungen („ZUGFeRD“) soll größere Verbreitung finden, denn gerade die Nutzung von elek­tronischen Rechnungen und der damit möglichen elektronischen Archivierung birgt für viele KMU große Effizienzpotenziale. Aus diesem Grund sollen die Vorteile der elek­tronischen Rechnung u.a. über Informationsveranstaltungen auf großen Messen und Fachtagungen veranschaulicht werden, um so den Bekanntheitsgrad dieser Lösung zu steigern.

Was 2016 noch wichtig ist:

Über die Veränderungen und Chancen des Bürokratieentlastungsgesetzes informiert zu sein, ist gut. Aber auch andere Themen sind 2016 relevant: So sollten Sie die Herausforderungen des Recruitings im Mittelstand kennen, um entsprechend reagieren zu können. Welche entscheidende Rolle Traineeprogramme dabei spielen, erfahren Sie hier. Außerdem ist mehr denn je an der Zeit, die Generation Y für den Mittelstand zu gewinnen.

 

Quellen: